Frisbee-NRW-Ehrenmitglied fordert sauberen Sport

Hartmut „Hartl“ Wahrmann zeigt klare Kante

Lünen. Hartmut „Hartl“ Wahrmann, Ehrenmitglied des Frisbeesport-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen, ist ein Frisbeesportler durch und durch. Er ist einer der wenigen Pioniere des Scheibensports in Deutschland, die noch heute dabei sind. Vor über 35 Jahren warf Hartl die erste Scheibe und ist seitdem dem Frisbeesport verfallen. Er war auch bei der Gründungsversammlung der Discgolf-Abteilung des LV NRW in Witten, auf der, die in den sozialen Medien heiß diskutierte klare Regelung bezüglich Doping, Rauch- und Alkoholverbot bei Discgolf-Turnieren in NRW beschlossen wurde. Gestern Abend nahm der Gründer und Vorsitzende der DG Lünen Lakers öffentlich Stellung zum Thema und bezog eine klare Position: Hartl will einen sauberen Sport!

Hartmut Wahrmann äußerte sich bei facebook wie folgt:

Hallo Disc Golfer,
viele von Euch kennen mich als Spieler der ersten Stunde – 1979 hatte ich die erste Scheibe in der Hand, war sofort angefixt und habe fast täglich trainiert. DM-Titel, EM-Titel, US-Open-Sieg und WM-Titel in Finnland sind nur einige Stationen meiner Frisbee-Overall beziehungsweise Discgolf-Laufbahn. Ich möchte zur Anti-Doping, Rauch- und Alkohol-Diskussion ein paar Gedanken in die Runde „werfen“:

Seit jeher bin ich ein Vertreter, der unseren absolut tollen Sport nach vorne bringen möchte. Oft wurden wir belächelt, gering geschätzt, als Tellerwerfer und nicht ernst zunehmende „Sportler“ betitelt. Mein Anliegen war immer, endlich die Anerkennung für unseren Sport zu erreichen, die er und auch wir als aktive Spieler – egal ob im Bereich Freizeit,
Familie, Turniere oder auch im Bereich Firmenevent über die Jahre verdient haben.
Schon immer gab es die Diskussionen zum Thema Rauchen und Alkohol während der Spielrunden – für den Freizeit- und privaten „Zock-Bereich“ ist das alles ja auch kein Problem. Hier soll und kann jeder machen, was er will. Alles easy und gechillt!

Hartl am Tee-Off bei einem Berliner Turnier in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Hartl beim Abwurf während eines Berliner Turniers in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Bei offiziellen Turnieren im Rahmen der deutschen Rangliste sieht das jedoch anders aus. Deshalb hat kürzlich der Frisbeesport-Verband NRW beschlossen (auch im Rahmen der Anti- Doping-Bestimmungen), Rauchen und Alkohol während der Turnierrunden zu verbieten. Mit Recht!

Sportler, die gute Leistungen bringen sind Vorbilder für Kidsund Jugendliche. Wie sieht es aus, wenn im Flight gekifft, geraucht oder gesoffen wird.

Wie soll es unseren geliebten Sport in Richtung Olympia voranbringen, wenn, wie zuletzt bei der WestfalenTour in Witten, der hauptamtliche Sportdezernent der Stadt anwesend ist und beobachten kann, wie Spieler mit der Kippe im Mund oder einer Pulle Bier in der Discgolf-Tasche auf die Runde gehen und ein Turnier spielen. Werden diese Verantwortlichen, die den Sport und die Idee bis toll fanden, sich weiter dafür einsetzen einen Parcours zu bauen und zu finanzieren? Sicher nicht.

Wie denken die Vertreter des IOCs darüber, wenn – im Livestreams zu verfolgen – bei der Freestyle-WM in Karlsruhe sich Final-Teams vor der Bühne ein „Ding“ bauen? Solche Sachen gefährden unseren Sport in höchstem Maße und viele von Euch sind sich über die Konsequenzen darüber wohl gar nicht bewußt.

Ich selbst hatte schon oft Gespräche mit potenziellen Sponsoren wie Mercedes, Allianz, Red Bull, Puma etc. – all diese Sponsoren wünschen sich mit ihrem Engagement eine Verbesserung beziehungsweise Aufwertung ihres Images und wollten dafür Einiges an Geldmitteln bereitstellen. Die Gespräche endeten aber alle mit der Kleiderordnung und mit dem Verhalten und Auftreten der Spieler während der Ausübung Ihrer Sportart. Sehr traurig!
Manche sagen egal, manche schade, manche bedauern es aufrichtig. Fakt ist, wenn wir Discgolfer mit unserem Sport akzeptiert werden wollen, gilt es ein paar Regeln einzuhalten – es geht nicht um ein Zölibat, „Moralapostelei“ oder den erhobenen Zeigefinger. Ich komme aus Bayern und trinke selbst gerne mal ein Bier, auch in der Mittagspause eines Events. Darum geht es nicht.

Wir bemühen uns ja, alles zu tun, damit ihr Spieler Euch wohl fühlt – aber in Richtung Leistungssport und internationaler Anerkennung heißt es einfach: Arschbacken zusammenkneifen – sorry!

Wohlgemerkt, es geht nicht um die Zeit vor oder nach einer Runde, um die Mittagspause oder das Abendprogramm – es geht um die „reine“ Spielzeit während einer Turnierrunde.   Zudem wird versucht, an unauffälligen neuralgischen Punkten sogenannte „Raucher-Zonen“ einzurichten, was an sich schon ein Paradoxon ist, weil wir gleichberechtigt dann auch eine Säufer- und Kifferzone einrichten müßten. Was glaubt Ihr denn, denken die Zuschauer und die Presseleute, wenn sie uns dabei beobachten? In welcher Sportart ist es erlaubt, während des Turnieres zu rauchen oder Alkohol zu trinken – ich kenne keine! Wenn wir diese Tatsache für Discgolf ignorieren, werden wir künftig nie auch nur die geringste Chance haben, international anerkannt zu werden. Auch viele Kommunen oder Investoren werden sich gegen eine Anlage entscheiden!

Ist es das, was wir wollen? Back to the 60´s – Drugs, Discgolf & Rock´`n´Roll? – Wir alle haben doch Spaß an unserem Sport. Warum also nicht mal für 2,5 Stunden durchhalten und sauber bleiben? Das sollte doch möglich sein!

Euer Hartl