Marvin Hartmann auf Platz sechs

Münsteraner U 19-Discgolfer überzeugt in Kalamazoo

Kalamazoo. Damit hatte Marvin Hartmann wohl selbst nicht gerechnet. Der Münsteraner spielte bei der Discgolf-Weltmeisterschaft in Michigan (USA) ein super Turnier und finishte als Sechter der U 19-Junioren. „Es läuft hier einfach. Zwei Mal im Leadingflight der WM – selbst für mich fast unglaublich“, strahlte der angehende Auszubildende bei der Deutschen Rentenversicherung mit der brütenden Sonne im Norden der Vereinigten Staaten um die Wette: „Gefühlt spiele ich hier mein bestes Discgolf überhaupt.“

Marvin Hartmann aus Münster.

Marvin Hartmann aus Münster.

Sechs Junioren der Discgolf-Abteilung des Deutschen Frisbee-Sportverbandes (DFV), darunter mit Marvin Hartmann und Torben Casser (beide GW Marathon Münster) auch zwei Spieler aus Nordrhein-Westfalen, reisten am 18. Juli in die USA, wo ab dem 21. Juli über vier Tage in sechs Runden mit insgesamt 114 Bahnen die PDGA-Weltmeisterschaft der Amateure, dazu gehören alle Junioren, ausgetragen wurde. Das ehrgeizige Ziel der Deutschen war, am Samstag, dem fünften Turniertag, im Halbfinale mit drei Spielern dabei zu sein. Mindestens einer der Junioren sollte zudem das Finale über neuen Bahnen im Skigebiet Timer Ridge am Samstagnachmittag erreichen. Optimalerweise würde ein Treppchenplatz dabei rausspringen.

Begleitet wurden die Junioren von Franz Schröer, dem Jugendwart der Discgolf-Abteilung im Deutschen Frisbeesport-Verband, und Werner Szybalski, Präsident des Frisbeesport-Landesverbandes NRW.

Bahn 10 auf dem Spinski´s Champions-Kurs.

Bahn 10 auf dem Spinski´s Champions-Kurs.

In der ersten Runde kämpften die NRWler auf dem Championkurs der hügeligen Spinski´s-Anlage in Hopkins. Der Parcours zeichnet sich durch extrem enge Waldbahnen, viele OB-Linien, eine Insel, zahlreiche bergauf- und -ab-Bahnen und teilweise sehr morastigem Untergrund aus. Es musste extrem präzise gespielt werden, um auf dem Kurs das Par zu erreichen. Marvin Hartmann war nicht vom Glück verfolgt und benötigte 61 Würfe, was ihm seine schlechtete Rundenplatzierung (17. im 40er Juniorenfeld) bei der WM 2015 gleich nach der Eröffnungsrunde einbrachte. Torben Casser aus Löningen benötigte sogar noch vier Würfe mehr (24.) als sein Teamkamerad.

Am Nachmittag ging es in den wunderschönen Oshtemo Township Park nach Kalamazoo, wo auch am Samstag das Halbfinale der besten Zwölf ausgetragen werden sollte.

Torben Casser kam mit den Bahnen in den USA nur selten klar.

Torben Casser kam mit den Bahnen in den USA nur selten klar.

Sowohl Marvin Hartmann als auch Torben Casser kamen mit den flachen Bahnen, die sich durch viele enge Fairways – insbesondere direkt nach dem Tee – auszeichneten, deutlich besser zurecht, als mit dem Kurs am Vormittag. Mit 57 Würfen spielte Hartmann die viertbeste Runde aller Teilnehmer und schob sich in der Zwischenwertung auf Platz neun vor. Casser benötigte 64 Würfe, was Rang 24 auf der Runde und Platz 25 in der Zwischenwertung bedeutete. Damit war allerdings angesichts des starken Teilnehmerfeldes am Abend des ersten Tages das Turnierziel Halbfinale für den zweifachen Deutschen Vizemeister der Junioren praktisch schon nicht mehr erreichbar.

Am Mittwoch stand der temporäre Kurs auf der Ski-Alpin-Anlage Timer Ridge in Gobles auf dem Programm.

Tee der Bahn 9 auf dem Ski-Gelände Timber Ridge.

Tee der Bahn 9 auf dem Ski-Gelände Timber Ridge.

Im Golfstart ging es los. Marvin Hartmann hatte sich in den dritten Flight vorgespielt. Der Discgolfer aus dem flachen Münsterland kam hervorragend mit den Bahnen auf den Skihängen und im steilen Wald zurecht. Mit 58 Würfen spielte er, gemeinsam mit dem U 16-Junior D. J. Baldwin aus Battle Creek, dem Nachbarort von Kalamazoo, und dem Open-Spieler Mark Huether aus Cornelius in North Carolina die beste Runde aller Teilnehmer. Er schob sich auf den dritten Platz (!)  im Teilnehmerfeld vor.

„Ich kam einfach mit den sehr langen Bahnen sehr gut klar“, freute sich der Münsteraner über seinen Coup. Sechs der 18 Bahnen im Skigebiet waren über 200 Meter lang.

Torben Casser, der in Timber Ridge bei den Field Games den fünften Platz im Weitwurfwettbewerb, wofür er zehn Dollar Preisgeld erhielt, erreicht hatte, benötige sechs Würfe mehr als sein Vereinskamerad und belegte den 13. Platz in dieser Runde.

In Timber Ridge wurden die Players Packages an die Teilnehmer verteilt. Henrik Streit hatte kräftig zu tragen.

In Timber Ridge wurden die Players Packages an die Teilnehmer verteilt. Henrik Streit hatte kräftig zu tragen.

Am Donnerstag ging es in den Süden von Kalamazoo nach Three Rivers, wo im Meyer Broadway-Country Park zwei 18-Bahnen-Runden zu spielen waren. Marvin Hartmann startete im Leading Flight der Junioren-WM. „Es ist einfach ein tolles Gefühl“, so der kaum nervöse Hartmann, der aber zunehmend mit dem heißen, sehr schwülen Wetter zu kämpfen hatte. Vormittags stand der flachere, offenere Nord-Kurs auf der Agenda. Gemeinsam mit Europameister Marvin Tetzel aus Wolfenbüttel, der einen Flight hinter Hartmann startete, spielte der Münsteraner eine 51er Runde (Rundenplatz zwei), womit beide ihre Plätze im Gesamtfeld behaupteten. Torben Casser spielte eine 58er Runde (Platz 24).

Deutlich hügeliger war es am Nachmittag auf dem Waldkurs im Süden des Parks. Nach gutem Beginn bekam Marvin Hartmann Konzentrationsschwierigkeiten, was sich in einigen völlig missglückten Drives zeigte. Auch der Putt saß nicht mehr so sicher, so dass er „nur“ als Zehnter die Runde beendet. Insgesamt hatte er 57 Würfe benötigt. Besser kam Marvin Tetzel klar, der in der Gesamtwertung als Dritter mit Hartmann (6.) die Plätze tausche.

Torben Casser lag der Kurs. Mit einer 51er Runde spielte er das zweitbeste Ergebnis der U 19-Junioren, was die PDGA mit einem vorläufigen Rating von 1016 belohnte. Der Löningener schob sich auf Rang 17 der Gesamtwertung vor. Es keimte wieder leichte Hoffnung auf die Top 12 nach den sechs Runden auf, doch Casser musste dazu am Freitag im Cold Brook Park in Climax neun Würfe auf die Fünf vor ihm Platzierten gut machen.

Im Cold Brook Park musste Torben Casser viuele knifflige Situationen überstehen.

Im Cold Brook Park musste Torben Casser viele knifflige Situationen überstehen.

Auf dem 24-Körbe-Kurs ging es am Nachmittag – erneut bei unerträglichen schwülen Witterungsbedingungen – im Kanonenstart los. Torben Casser war an diesem Tag vom Pech verfolgt. Immer wieder traf er Bäume oder Büsche, so dass seine Scheibe häufig in sehr schwierigen Lagen zur Ruhe kam. Leicht ent- beziehungsweise genervt beendete er die Abschlussrunde der WM als 29. mit satten 81 Würfen, wodurch er auf den 19. Platz in der Enabrechnung abrutschte. Er verfehlte sein Ziel Halbfinale damit deutlich.

Etwas besser in Cold Brook kam Marvin Hartmann zurecht. Allerdings hatte auch nicht nur häufig Pech, sondern kam auch mit den klimatischen Bedingungen nicht klar. Trotz seiner schwächsten Tagesleistung, 77 Würfe und Turnierplatz 26, erreichte Marvin Hartmann das vom Verband gesteckte Ziel Halbfinale. Als Zehnter durfte er am Samstagmorgen auf seine zweite Runde im Oshtemo-Park gehen.

Besonders gut spielte an diesem Freitag Marvin Tetzel, der mit drei Würfen Vorsprung, er benötigte nur 53 Würfe, das Turnier gewann. In der Gesamtwertung schob er sich bis auf zwei Würfe an den Führenden Austin Turner aus Mint Hill in North Carolina heran. Die Sensation war in greifbare Nähe gerückt. Auch Henrik Streit, der nur an zwei Bahnen Probleme hatte, trumpfte in Cold Brook auf und spielte eine 75er Runde, womit er sogar zwei Würfe weniger als Marvin Hartmann benötigte.

Am letzten Turniertag ging es erneut nach Oshtemo. Bei der Anmeldung bekamen alle Halbfinalisten als Preis eine Discgolf-Rucksack. Vor den 18-Halbfinalbahnen hatten eigentlich nur die führenden Vier gute Chancen das Finale in Timber Ridge zu erreichen.  Marvin Hartmann ging als Zehnter auf die Runde. Er unterbot seine 58 vom Mittwoch an gleicher Stelle um drei Würfe. Mit seinem Endergebnis von 55 Würfen im Halbfinale (Rang vier) und 416 Gesamtwürfen in sieben Runden spielte Marvin Hartmann 28 unter Par. Platz sechs bei der Weltmeisterschaft war der verdiente Lohn von den Münsteraner.

Marvin tetzel ging ins halbfinale, um auf den Führenden die zwei Würfe gut zu machen. Auf der ersten Bahn nahm Tetzel seinem Konkurrenten Turner sogar einen Wurf ab. Doch ab Bahn drei wurde Pech der Begleiter des besten deutschen Junioren-Discgolfers. Am Ende des Halbfinales hatte Tetzel, der 56 Würf, damit sieben weniger als am Mittwoch, benötigte, satte zehn Würfe Rückstand auf Austin Turner. Der Titel war vergeben.

Allerdings musste der Südniedersachse im Finale noch um den Treppchenplatz bangen, denn Mason Frumkin aus Shelocta in Pennsylvania hatte gleich gezogen. Auch Triston Covington aus Lakeside in Arizona lag nur neun Würfe vor den letzten neun Juniorenbahnen für den Europameister Marvin Tetzel.

Platz drei war aber kurz vor dem Start für den Deutschen sicher, denn sie mussten am Timber Ridge die neun kurzen Bahnen spielen, die teilweise weniger als halb so lang wie die Grandmaster-Bahnen auf dem Normalparcours waren. Offensichtlich geschockt von dieser nicht nachzuvollziehenden Entscheidung der WM-Organisatoren verlor Marvin Tetzel auf der zweiten Finalbahn, die neun Bahnen wurden übrigens auch von den jüngsten Junioren (U 10-Weltmeister Anthony Anselmo aus North Carolina spielt drei über Par und U 10-Weltmeisterin Ava Victor aus South Carolina spielte vier über Par) gespielt, einen Wurf aus seinen direkten Konkurrenten um die Vizemeisterschaft. Doch wenig später holte er sich diesen Wurf zurück und durch einen super Drive bergab auf der siebten Finalbahn, wo nur Marvin Tetzel ein Birdie spielte, sicherte er sich den Vize-Weltmeistertitel.

Das deutsche Team in Kalamazoo.

Das deutsche Team in Kalamazoo (Tmber Ridge): Vater Uwe Mossig (v. l.), Maren Mossig, DGA-Juniorenchef Franz Schröer, Torben Casser, Vize-Weltmeister Marvin Tetzel, Henrik Streit, Lukas Klingbeil, Marvin Hartmann und Delegationsleiter Werner Szybalski.

Die Gesamtplatzierungen der deutschen WM-Teilnehmer in Kalamazoo:

Marvin Tetzel (Tee-Timers Wolfenbüttel) 2. Platz, 432 auf 141 Bahnen (- 48)

Marvin Hartmann (GW Marathon Münster) 6. Platz, 416 auf 132 Bahnen (- 28)

Torben Casser (GW Marathon Münster) 19. Platz, 383 auf 114 Bahnen (Par)

Henrik Streit (Ostsee DG Kellenhusen) 28. Platz, 398 auf 132 Bahnen (+ 15)

Lukas Klingbeil (Scheibensucher Rüsselsheim) 31. Platz, 405 auf 132 Bahnen (+ 22)

Maren Mossig (SAV Eningen) 7. Platz, 453 auf 114 Bahnen (+ 97)